Archive vom Juni 2008
Moderne Baustelle im Freilichtmuseum?
Wer derzeit durch das Freilichtmuseum wandelt, trifft am Dorfplatz auf eine Baustelle, aus der heraus ein Gebäude zu entstehen scheint, das alles andere als den Grundlinien des Museums entspricht. In einem Freilichtmuseum werden ausschließlich originale Gebäude gezeigt, so die Maxime. Was dem Museumsbesucher nun aber aus der Baugrube regelrecht entgegen schreit, sind Schalungen, Eisenverstrebungen und Betonfundamente. Es entsteht so der klare Eindruck: Hier wird nicht ein Original wieder aufgebaut, sondern ein Bauwerk ganz und gar neu errichtet.
Wie passen die Gegensätze zusammen?
Vor der Beantwortung der Frage gilt es sich Folgendes klar zu machen: Was momentan mit dem Gebäude „Kaufhaus Pfeiffer“ geschieht, ist hochmodern. Allein schon, wenn ihm die museale Idee übergestülpt wird, hat dies mit seinem authentischen Dasein nichts zu tun. Die Tatsache, dass ein Haus von der Art des Kaufhauses in einzelne Großteile zerschnitten wird, nur um es an anderer Stelle erneut zusammenzusetzen, ist in seiner Genetik nicht vorgesehen. Was paradox klingt, ist es auch: Der Gang ins Museum lässt Gebäude und Einrichtung überleben, beraubt es aber seines ursprünglichen „Wesens“.
Historische Bausubstanz trifft also notwendigerweise auf moderne Technik. Damit ist aber die Eingangsfrage noch nicht beantwortet. Das Kaufhaus Pfeiffer, so wie es sich im Freilichtmuseum präsentieren wird, nimmt Funktionen an, die es in seinem Leben nie hatte. Eine aber soll ihm erhalten bleiben: die des Kaufhauses. Die meisten Räumlichkeiten werden ohne Frage authentisch eingerichtet. Dort aber, wo sich zuletzt ein Lager und einst der Ursprungsladen befand, zieht der so genannte „Dorfladen“ ein. Schon in seinem Namen setzt er sich von verwandten „Museumsshops“ ab. Seine Bestimmung wurde hier im Blog schon ausführlich erklärt (siehe Beitrag “Dorfladen für das Museum“).
Zurück zur Baustelle. In den historischen Mauern des Gebäudes hätte sich der Dorfladen nie verwirklichen lassen. Moderne Lagerräume, Kühlräume und Sozialräume sind heute notwendig und dringlich – doch allein ihre Namen sperren sich schon dem Einzug in ein historisches Kaufhaus. Was momentan die Baustelle optisch dominiert, ist der Einbau solcher Funktionszonen.
Und wenn sie jetzt so offen liegen und so gar nicht ins Museum passen, so bleiben sie in Zukunft gänzlich unsichtbar. Sie liegen komplett unter der Erde.
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Die Fotos zeigen die Baustelle und das Fundament aus verschiedenen Blickwinkeln. Auf dem letzten Bild verbirgt sich unter der weißen Plan der am Stück versetzte Gewölbekeller.
Der Keller ist drin!
Spannend war die Kellerumsetzung am Freitag, den 13. Trotz des Datums lief alles perfekt. Begleitet von zahlreichen Zuschauern, Journalisten und Kamerateams wurde der 66 Tonnen schwere Gewölbekeller mit einem Spezialkran in der Baugrube versenkt. Zentimergenau mußte er in den den Boden eingelassen werden, von den Beteiligten war hier höchste Konzentration gefordert.
Keller vor dem Umzug
Nun ist es (fast) soweit: Mit dem Gewölbekeller zieht das “letzte Stück” des Kaufhauses Pfeiffer aus Stetten am kalten Markt ab. Die Vorbeitungen für den Umzu sind weitgehend abgeschlossen. Der Gewölbekeller, der ja am 12. Juni an einem Stück abtransportiert werden wird, ist “eingepackt” und so gesichert, dass er dann mit dem Kran vom Boden abgehoben werden kann. Das wird spannend!
Für den Transport wurde quasi mit einem “Betonkranz” unterfangen. Dazu wurde fünf Stahlträger quer untergeschoben. Diese liegen dann auf zwei Längsträgern, an denen dann der gesamte Keller “aufgehängt” wird. Innen ist der Keller mit Holz verschalt und verstrebt, um die entstehenden Druck- und Zugkräfte auszugleichen.
Baustelle im Museum
Das Kaufhaus Pfeiffer wird im Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck am “Dorfplatz” direkt neben dem Schul- und Rathaus aufgebaut. Dort wurde jetzt die Baustelle eingerichtet. Die Vorbereitungen für den Wiederaufbau des Hauses laufen bereits auf Hochtouren. Dort, wo sonst die Tanzbühne für den Volksmusiktag aufgebaut war oder die “Lustbarkeiten der alten Kirchweih” beim Museumsfest lockten, wurde jetzt die Baugrube ausgehoben.
Die Erd- und Fundamentierungsarbeiten sind in vollem Gange, damit am 13. Juni der Gewölbekeller (am Stück!) auf das neue Fundament gesetzt werden kann. Heute wurde die Bodenplatte betoniert…![]()
