Freilichtmuseum Neuhausen

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“Ross-Kultur” und Kaufhaus Pfeiffer

Was verbindet die aktuelle Saisonausstellung “Ross-Kultur” und das Kaufhaus Pfeiffer – von der räumlichen Nachbarschaft am Dorfplatz im Freilichtmuseum einmal abgesehen?

Auf den ersten Blick scheint es keine inhaltlichte Verbindungslinie geben, die in der Lage wäre, die Waren-, die Haus- oder die Bewohnergeschichte des Kaufhauses Pfeiffer mit der Pferdekultur zusammenzubringen. In der Tat muss sich erst ein Gedanke an den nächsten reihen, bis die endgültige Linie gefunden ist. Auf dem Hintergrund dieser Herleitung jedoch wird sich das Kaufhaus Pfeiffer im Kontext der Pferdekultur als durchaus symptomatisch zeigen.

Der Ausgangsgedanke liest sich so: Der große Einfluss der amerikanischen auf die europäische Kultur schlägt sich auch in der Pferdekultur nieder. Die Bilder, die sich Menschen heute von Pferden und Reitern machen, sind nicht nur gespeist von den eigenen Erfahrungen oder dem Bewußtsein für die eigene Geschichte. Vielmehr spielen sich Mythen und Images in die Vorstellung, die allein über Medien wie Film, Fernsehen oder Werbung vermittelt werden.

Dazu zählt fraglos der nordamerikanische “Cowboy”. Dieser erlebte zwar seine Blütezeit in der recht kurzen Zeitspanne von 1860 – 1885, verkörpert aber einen der großen Mythen Amerikas. Sein Aussehen, das heute allgemein geläufig ist, verdankt er dem berühmten Buffalo Bill, der den Cowboy für seine Wild West Show im Erscheinungsbild Ende des 19. Jahrhunderts normierte und popularisierte. Neben den unverkennbaren Hut, das Halstuch und den Revolver traten lederne Reithosen, spitze Reitstiefel, Sporen … und nicht zuletzt ein Pferd.

Ab den 1930er-Jahren blühte das Cowboy-Image als Modeerscheinung auf. Über Filme und Bücher, aber auch über Fernsehserien wie “Fury” drangen die amerikanischen Bilder vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch in europäische Kinderzimmer.  Gerade für die Sozialisation männlicher Jugendlicher spielte der amerikanische Reiter eine gewichtige Rolle.

An Fastnacht nun bot sich für Buben die Möglichkeit, in die Rolle eines Idols zuschlüpfen und sich als amerikanischen Helden – genauer natürlich: als  zum Mythos inszenierten Filmhelden – auszustaffieren. An diesem Punkt nun setzte das Kaufhaus Pfeiffer an. Als “Fachgeschäft” für fastnächtliche Verkleidungen führte das Kaufhaus ohne Frage auch sämtliche Cowboy-Ware – Hüte, Kleidung, Handfeuerwaffen samt der ungefährlichen, aber lärmintensiven Munition.

So ließen sich im immensen Warensortiment des Kaufhauses leicht Objekte finden, die klar ins Themenfeld der Ausstellung “Ross-Kultur” gehören.

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Damit schließt die abgebildete Vitrine im Eröffnungsraum der Ausstellung (im Haus Biehle am Dorfplatz) die komplexe Gedankenreihe.

Sowohl das Kaufhaus Pfeiffer als auch die Ausstellung “Ross-Kultur. Geschichten vom Pferd” sind zu den Museumsöffnugnszeiten für die Besucher zugänglich, so dass sich jeder “Cowboy” von der Richtigkeit der Ausführungen überzeugen kann …

Pferdeartikel?

… oder Pferdebedarf gibt es im historischen Kaufhaus Pfeiffer im Freilichtmuseum wohl weniger, am ehesten noch Fastnachtsartikel für kleine Cowboys…
Wer sich aber für Pferde interessiert, dem sei die neue Sonderausstellung “Ross-Kultur. Geschichten vom Pferd” im Freilichtmuseum, gleich nebenan im “Bauernhaus Biehle” ans Herz gelegt. Hier werden viele Fragen rund um das Verhältnis von Mensch und Pferd beantwortet, und das nicht nur für kleine und große Pferdenarren…

Mehr zur Ausstellung “Ross-Kultur” im Freilichtmuseum

Plakat Ross-Kultur 1